Kirchensteuer

Historisch lässt sich das Kirchensteuerrecht auf die enge Verflechtung von Staat und Kirche in den deutschen Fürstentümern und Königreichen vor 1803 zurückführen.

Nach der Säkularisierung kirchlicher Besitztümer im Jahr 1803 (Enteignung und Nutzung zu weltlichen Zwecken) gerieten katholische Bistümer wegen der Enteignung und evangelische Landeskirchen wegen der zunehmenden Lockerung des Staatskirchentums in finanzielle Nöte. Darum führten die deutschen Staaten im 19. Jahrhundert fast überall eine Kirchensteuer ein.

Mit der Einführung der Demokratie in Deutschland im Jahr 1919 wurde dies in der Verfassung geregelt. Art. 137 Abs. 6 der Weimarer Reichsverfassung vom 11.8.1919 garantierte das kirchliche Besteuerungsrecht. Diese Norm hat über Art. 140 des Grundgesetzes (heutige deutsche Verfassung vom 23.5.1949) weiter Gültigkeit. Von Seiten des Staates wird die Kirchensteuer als Ergebnis eines „allmählichen Auseinandertretens staatlicher und kirchlicher Aufgabenerfüllung und der partnerschaftlichen gegenseitigen Freiheitsgewährung seit 1918“ (Maunz-Dürig-Korioth, Grundgesetz, Stand: Februar 2003, Art. 140, Rn. 95) angesehen.

Konkret wird das Kirchensteuerrecht durch die Kirchensteuergesetze der Länder geregelt. Im Kirchensteuergesetz NRW erheben die katholische und die evangelische Kirche Kirchensteuern aufgrund eigener Steuerordnungen (§ 1). In der Regel werden die Kirchensteuern als Zuschlag zur Einkommens- oder Lohnsteuer erhoben (§ 4 Abs. 1). Besteht die Kirchensteuerpflicht nicht während des ganzen Kalenderjahres, wird für jeden Kalendermonat, in dem die Kirchensteuerpflicht gegeben ist, je ein Zwölftel des Betrags erhoben, der sich bei ganzjähriger Kirchensteuerpflicht als Jahressteuerschuld ergeben würde (§ 5 Abs. 2 KirchensteuerG NRW).

Mitglieder der Kirche zahlen 9% ihrer Einkommenssteuer als Kirchensteuer. Das Geld wird z.B. in unserem Bistum Essen für Seelsorge, Caritas und Bildung verwendet.

In Deutschland muss man erst ab einer gewissen Summe, ab € 8.653, d.h. € 721 mtl. Steuern zahlen. Studierende, die nur einen Minijob haben, müssen keine Lohnsteuer und damit keine Kirchensteuer zahlen. Wenn man mehrere Monate im Jahr einer steuerpflichtigen Nebenbeschäftigung doch nachgeht, ist es sinnvoll, im eigenen Interesse, am Ende des Jahres eine Lohnsteuererklärung über die KAP-Anlage anzufertigen. Die Einnahmen werden auf das gesamte Jahr berechnet.

Liegt man mit dem Verdienst noch im Grundfreibetrag (€ 8.652), bekommt man die eingezogenen Steuern zurück.

Und auch, wenn man doch Kirchensteuer zahlen muss, kann man sie in voller Höhe als Sonderausgabe geltend machen und damit das zu versteuernde Einkommen verringern. Hilfe bei der Lohnsteuererklärung bekommt man kostenlos über Angebote im Netz unter dem Stichwort: Studenten Steuererklärung.